WÖLFE IM FUZZIPELZ – Rechtsoffene Scharlatane im psychedelischen Milieu
Teil 2: Provithor
Was es bedeutet, dass Provithor (ehemals Thortrüffel) als die Marke "hinter mycelf" [quelle] bezeichnet wird ist nicht ganz klar. Diese Frage ist eine von vielen, die Lionel Schibli nicht beantworten wollte. Anzunehmen ist, dass Provithor die psychedelischen Trüffel liefert, die mycelf in seien Retreats benutzt. Welche Vorteile ziehen die jeweiligen Partner noch aus der Verbindung? Handelt es sich um eine bloße Werbepartnerschaft? Oder ist ein Grund für die Zusammenarbeit die Ähnlichkeit in den Weltanschauungen der Personen, die die beiden Unternehmen betreiben?
Lilli Steingräber
Gründerin und Geschäftsführerin von Provithor ist Lilli Steingräber. 1 2 Sie bezeichnet sich selbst als "Zauberpilz- und Trüffelenthusiast seit 2015" und "will Microdosing in den Mainstream bringen" (ebd.) Sie ist oder war zumindest auch Geschäftsführerin der "Natural Microdosing Society", einem "kleinen Team von Microdosing und Magische-Trüffel-Enthusiasten". 3 Sie ist im Internet für Provithor unterwegs, beispielsweise auf Instagram als @pilzezauber oder @fungi_of_europe. Mittlerweile betreibt Provithor nicht nur einen Online-Shop für Zaubertrüffel, sondern veranstaltet selbst psychedelische Retreats auf Gran Canaria, die auch von Steingräber geleitet werden [https://de.provithor.com/pages/magic-truffle-retreat-gran-canaria][open mind canaria]. Der versprochene Nutzen eines Besuches in diesem Retreat wird mit den üblichen Floskeln beschrieben: Die magischen Trüffel sollen "Einblick in Ihr Selbst auf emotionaler, intellektueller und spiritueller Ebene" gewähren oder "Werkzeug für Heilung und Wachstum sowie für die spirituelle und persönliche Entwicklung" sein.[ebd.]
Früher hiess Provithor Thortrüffel, 2020 existierten beide Marken gleichzeitig [der erste post auf thortrüffels fb ist vom 18.04.20, der letzte vom 03.09.20am 09.05.20: "Hi, ich bin Lilli und ich **betreibe** den Thortrüffel Shop." der erste fb-post von provithor ist vom 13.02.20.]
Die Namen der psychoaktiven Trüffel, die Provithor bzw. Thortrüffel verkaufen, sind sämtlich aus der germanischen Mythologie entlehnt: Sie heißen etwa Thor, Freya oder Heimdall. Am 12.06.2020 postete Thortrüffel auf seiner Facebook-Seite [https://www.facebook.com/Thortrueffel/] Bilder von Comic-Versionen einiger germanischer Götter, die als Namenspaten für die verschiedenen Produkte dienten. Darunter auch eine Zeichnung von Odin (auch: Wotan [103118109_165661368458431_4689180986394587019_n.jpg], der einen Würfel in der Hand hält. Zwei Flächen des Würfels sind auf dem Bild zu sehen: Auf einer der Seiten ist - wenig überraschend - der Wotansknoten abgebildet. Der Wotansknoten, auch Valknut genannt, ist ein beliebtes Symbol in der rechten Szene (vgl. etwa den sogenannten QAnon-Schamanen), ist aber natürlich im Zusammenhang mit einer Abbildung von Wotan nicht weiter anrüchig. Das gilt allerdings nicht für das andere abgebildete Runen-Symbol: Es handelt sich dabei um die ebenfalls in der rechten Szene sehr beliebte Odal-Rune. Sie ist die letzte Rune des älteren Futhark und bedeutet vermutlich "Erbbesitz" oder auch "Heimat" [woelfe 53]. Diese Rune wird gerne von radikal rechten Gruppierungen und - in nur leicht veränderter Form - auch auf verschiedenen Dienstgradabzeichen der Bundeswehr benutzt. Im Dritten Reich wurde sie als das Symbol für "Blut und Boden" gedeutet. [woelfe 54] Das Profilbild der Facebook-Seite von Thortrüffel bestand aus einer Reihe von Symbolen und Namen aus der nordischen Mythologie die für die angebotenen Produkte stehen sollen. Einige dieser Symbole sind harmlos und konventionell, wie etwa die "Fehu"-Rune mit dem Lautwert "F" die hier für Freya stehen soll, der Wotansknoten für Odin oder der Thorshammer für Thor. Allerdings ist dort auch ein - wenn auch verfremdetes - Hakenkreuz Teil des Symbols für Ragnarök. Als Symbol für Heimdall wurde - warum auch immer - die Man-Rune benutzt. Diese Rune gilt als Symbol der Kraft des Volkes und der völkischen Bewegung und ist auch heutzutage noch in rechten Kreisen sehr beliebt. Wird sie im Zusammenhang mit der SA oder dem "Lebensborn" benutzt, ist diese Rune in Deutschland sogar verboten. [https://www.belltower.news/die-man-rune-51318/] Warum wird sie also an dieser Stelle eingesetzt? Aus Absicht oder aus Unwissenheit?
Ein absichtsvoller Einsatz dieser Symbole ist eine naheliegende Interpretation, denn Lilli Steingräber verbreitet gerne Verschwörungsschwachsinn, der gängige rechte Vorstellungen bedient. Beispielsweise kommentierte sie als @fungi_of_europe auf Instagram einen Post von Lionel Schibli: Dort schrieb sie, die "Heiligen Pilze" seien von "Mafia und Big Pharma" kriminalisiert worden, weil sie "extrem positiv" 6 wirkten. Immerhin geht Lionel nicht d'accord mit diesen kruden Vorstellungen, lakonisch antwortet er darauf nur mit "du konsumierst safe sehr viele Medien" (ebd.). In einem Kommentar auf der Seite germanische-heilkunde.at schrieb Steingräber, die "brandgefährliche Hirnwäsche-Chemikalie" LSD sei "im Auftrag des Deep State" entdeckt worden. Die beiden Substanzen LSD und Zauberpilze könnten deshalb nicht unter dem Sammelbegriff "Psychedelika" zusammengefasst werden, denn im Gegensatz zu den Pilzen wohne dem LSD "kein Geist inne, es [sei] synthetisch, binär und tot". 6 [?] Weiterhin bezieht sie sich noch explizit auf das im Jahr 1970 veröffentlichte Buch "The Sacred Mushroom and the Cross" von John M. Allegro. Ist Steingräber Anhängerin der "Germanischen Neuen Medizin" (GNM), die von der Website "Germanische Heilkunde" propagiert wird? Oder versucht sie lediglich, sich einer Zielgruppe anzubiedern, die einer alternativen, spirituellen und psychedelischen Medizin mit germanischen Namen vielleicht nicht ganz abgeneigt sein könnte? Wie im zweiten Teil [link] dieser Reihe bereits beschrieben gibt es durchaus Heilpraktiker und Scharlatane die psychedelische Substanzen zu Heilzwecken empfehlen. Einige von ihnen, wie beispielsweise der radikal rechte Esoteriker Ruediger Dahlke, stehen auch der GNM nahe und werden im psychedelischen Milieu von Vielen durchaus positiv rezipiert.
[KASTEN: In seinem Buch "The Sacred Mushroom and the Cross" (Deutscher Titel: "Der Geheimkult des heiligen Pilzes") behauptete Allegro, dass der Ursprung des Christentums und anderer Religionen im Gebrauch von Fliegenpilzen läge. Auch wenn das Buch das Ergebnis einer langen und aufwändigen Recherche eines ausgebildeten Wissenschaftlers ist, enthält es doch erhebliche fachliche Fehler (zu einer ausführlichen Kritik siehe diesen Artikel von Chris Bennett), die es nicht grundsätzlich wertlos machen, die dort formulierten Aussagen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen.]
Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit bei Provithor ist Steingräber noch bei der Firma "Enebird" für das Marketing zuständig. 7 Der CEO von Enebird ist David Schlesinger, mit dem sie auch ein Buch mit dem Titel "Sacred Magic Mushrooms Sacred Magic Truffles: War on Drugs, legality, studies, fake news, usage, dosage, storing, microdosing" 8 verfasst hat. Schlesinger wiederum ist für Provithor als "free consultant" tätig. 9
David Schlesinger
Schlesinger ist im psychedelischen Milieu schon länger bekannt, bereits um die Jahrtausendwende handelte er mit seiner Firma "NG Eurotrade" mit psilocybinhaltigen Pilzen. Damals verschickte er von den Niederlanden aus Pilze nach Deutschland, die dann dort von Wiederverkäufern mit sogenannten Pilztaxis 10 11 an die Kunden verteilt wurden. Rechtliche Grundlage dafür war eine Gesetzeslücke, die aber vielleicht auch nur von Schlesinger imaginiert worden war 12, es kam zu mehreren Gerichtsverfahren. 13
Nach dem Ende von "NG Eurotrade" gründete er unter anderem die "Sacred Mushroom Church of Switzerland" und stand ihr als selbsternannter Pastor vor. Er verteilte mindestens 23 Kilogramm frische und 60 Kilogramm getrocknete psychedelische Pilze gegen "Spenden" und nahm dabei insgesamt ca. 350.000 Schweizer Franken ein. Deshalb wurde er für völlig unverhältnismäßige 429 Tage in Untersuchungshaft eingesperrt. Bis der Prozess gegen ihn tatsächlich begann, dauerte es nochmals über zehn Jahre. 14 War das Gericht zu unfähig, angemessen mit dem Fall umzugehen oder handelte es sich hier vor allem um einen politischen Akt, bei dem an Schlesinger ein Exempel statuiert werden sollte? Schlesinger jedenfalls spricht von seiner Untersuchungshaft als einer "Beugehaft". Es ist vollkommen nachvollziehbar und richtig, dass er über die willkürliche und unrechtmäßige Behandlung durch die Justiz sehr aufgebracht ist, als Opfer sieht er sich indes nicht, denn er habe ja provoziert (ebd.). Als der Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland dann endlich stattfand, wurde er zu einer bedingten Freiheitsstrafe (Eine bedingte Strafe ist im Schweizer Strafrecht eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe) von 18 Monaten verurteilt. Ohne Zweifel hat die schweizerische Justiz David Schlesinger übel mitgespielt.
["Er hat zu mir gesprochen und gesagt: DU sollst der Pilzpastor sein! Also was sollte ich Gott sagen? Nee, mach’s selbst? Haha, ich will den sehen, der nicht tut, was Gott ihm persönlich aufträgt..."]
Die Richterin des ersten Verfahrens warf ihm vor, ein "Überzeugungstäter" 15 zu sein und tatsächlich behauptet er, Gott persönlich habe ihn zum Pilz-Pastor ernannt: "Er hat zu mir gesprochen und gesagt: DU sollst der Pilzpastor sein! Also was sollte ich Gott sagen? Nee, mach’s selbst? Haha, ich will den sehen, der nicht tut, was Gott ihm persönlich aufträgt..." 16 Er stilisiert sich dabei auch gerne als Märtyrer - etwa, wenn er das Verbot der Zauberpilze als "präventiven Genozid an einer Religionsgemeinschaft" bezeichnet 17 oder wenn er in seinem Buch "Drogenpolitischer Hexenwahn" davon spricht, für "die Religionsfreiheit der Esser des Chrestos, des Fleisches Gottes, des Heiligen Pilzes [zu] kämpfen". 18 Mit seinen religiösen Vorstellungen bezieht er sich dabei, wie Steingräber, ebenfalls explizit auf die Ideen Allegros.
Über den Prozess gegen Schlesinger hat Lilli Steingräber auf LinkedIn einen Text verfasst, dort schreibt sie auch über die Heilkraft von Pilzen und über Provithor. 19 Schlesinger hingegen hat "insanity-praising LinkedIn" den Rücken gekehrt und verbreitet seinen Sermon jetzt lieber auf der rechten Twitter-Alternative Gab. 20
Schlesinger ist allerdings - trotz seiner schlechten Erfahrungen mit dem Rechtssystem - kein Befürworter der (längst überfälligen) Re-Legalisierung von Pilzen oder anderen psychoaktiven Substanzen. Ihm zufolge dient der Einsatz "für eine Legalisierung von was auch immer" nur dazu, "sinnlose Hoffnung für von der Gesellschaft Enttäuschte zu kreieren und 'alles beim Alten' zu lassen". 21 Vielmehr fordert er, dass das "Betäubungsmittel-Gesetz wortwörtlich [...] im geschriebenen Wortsinn angewendet wird – und nicht "im Sinne der menschenverachtenden, selbst-verliebten inquisitorischen und besserwisserischen Hetzer bei der Polizei und Staatsanwaltschaft". 22 Wie Philemon Schibli scheint auch er ein Verfechter des psychedelischen Exzeptionismus zu sein. Wie Steingräber wehrt sich Schlesinger ebenfalls gegen die Gleichbehandlung der beiden Substanzen LSD und Zauberpilze (ebd.).
Ein zweites Verfahren gegen Schlesinger sollte im März 2020 beginnen 23, ob und wie es zu Ende ging, lässt sich nicht ermitteln; eventuell kam es auch (noch) nicht zu einem Abschluss des Verfahrens.
Im Internet findet man ihn unter dem Nickname "PassThor David" (passthor.info ist auch der Name seines mittlerweile nicht mehr betriebenen Blogs) oder Variationen davon. Er schreibt gerne Kommentare auf Verschwörungsblogs und vertritt dort Meinungen, die sich inhaltlich und sprachlich nicht wirklich von denen anderer Menschen aus dem Verschwörungsmilieu unterscheiden: Etwa, dass die BRD eine Diktatur ("DDR 2.0") sei 24, dass Joe Biden ("PedoJoe Brib'em") den Kommunismus einführen wolle 25 oder dass die Wintersonnenwende 2020 das "Grosse Erwachen" einleiten wird, dabei scheint er auch der beliebten QAnon-Verschwörungserzählung aufgesessen zu sein. 26
Er betrieb und betreibt neben passthor.info noch weitere eigene Webseiten: Die dort ausgedrückten Ansichten gehen in eine ähnliche Richtung, beispielsweise wenn er schreibt, der Feminismus sei erfunden worden, um "die verantwortungslosen, brutalst schädigenden Mütter als "'gute Menschen' und 'Opfer der Männer' zu stilisieren – und so eine Gesellschaft zu erschaffen, die man als mythomanisch bezeichnen könnte, in der die 'charismatische Lüge' zur Wahrheit wird und die objektive Wahrheit und Realität zum Mythos". 27 Hintergrund dieser und ähnlicher Aussagen scheint die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau zu sein.
Im Moment schreibt Schlesinger gerade zusammen mit Hans Kolpak an einem Buch namens "Die Zeit des Anderen" mit dem Untertitel "So schützen sich Empathen vor notorischen Lügnern". 28 Mit Empathen meinen die beiden natürlich sich selbst, nach eigenen Aussagen sind beide in ihrem Leben das Opfer von Mythomaninnen in Gestalt diverser Ex-Partnerinnen geworden. Schuld daran ist der"verlogene Sexismus, der sich 'Feminismus' nennt". 29 In diesem Buch bezieht sich Kolpak auch positiv auf die GNM.
Auch Schlesinger ist Teil des von Provithor auf Gran Canaria angebotenen Retreats, dazu sei er qualifiziert, denn er "leitet seit über zwei Jahrzehnten psychedelische Gruppensitzungen." [https://de.provithor.com/pages/magic-truffle-retreat-gran-canaria]. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er überhaupt psychisch, menschlich und weltanschaulich dazu in der Lage ist, unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen stehende Menschen zu betreuen. Sieht man sich die Äußerungen an, mit denen er seit Jahren an die Öffentlichkeit tritt, müssen daran erhebliche Zweifel aufkommen.
Hans Kolpak
Schlesingers Freund und Co-Autor Hans Kolpak ist der Betreiber mehrerer Websites, oft unter seinem Pseudonym Hans-Emik Wurst, einem "Wortspiel" aus Hanswurst und Polemik. Einige seiner Seiten dienen dazu, seine Dienste zu bewerben; er schreibt Pressetexte und dreht Image-Filme 30, versucht sich aber auch als Coach. 31 Er betreibt unter anderem ein Forum für eine rechtsradikale Partei [www.afd-forum.eu], eine Verschwörungswebsite, auf der auch Schlesinger sich gerne verbreitet 32 und eine Seite über das Microdosing von Zauberpilzen. 33 Auf letzterer Website findet man neben einem Link zu einem Werbevideo von Provithor und eine von ihm verfasste Pressemappe für Provithor noch weitere Texten über Zauberpilze, aber auch über Themen wie beispielsweise "Cluster-Kopfschmerzen: der präventive Genozid". [PDF] Dort und auf einigen seiner anderen Seiten macht er kräftig Werbung für Provithor, sein Jobtitel bei dieser Firma ist "Pressekontakt". 34 Wie Schlesinger und Steingräber scheint auch er ein Anhänger der Ideen Allegros zu sein. [PDF]
["Rechts? Das sind Wahrheiten, die nicht in Ihr Weltbild passen, weil Sie politisch konditioniert sind."]
Früher war Kolpak Mitglied der FDP, dann der ebenfalls marktradikalen "Partei der Vernunft". Mittlerweile scheint er der AfD nahe zu stehen (siehe oben). Sein Name taucht auch als Kontaktadresse für die Deutsche ZivilGesellschaft (DZiG) auf, die der Reichsbürgerbewegung nahe steht. [35] Er ist zudem noch der Autor des Artikels "Sechs Millionen Juden" auf dem anonym betriebenen Blog "Der BRD Schwindel" [sic]. In diesem Artikel befasst sich Kolpak mit der kabbalistischen Bedeutung der Zahl 6 Millionen. Ein Zitat: "Wer den kabbalistischen Hintergrund der Zahl '6 Millionen' untersucht, kann sich unterhaltsame Märchenstunden bereiten. [...] Von einer Prophezeiung [sic], die irgendwie erfüllt werden muss, bis hin zu Geschäftsmodellen, die auf dieser Zahl aufbauen, ist viel Unterhaltsames zu entdecken – sogar die kolportierte Weisheit, es gebe weltweit 6 Millionen lebende oder bei Bedarf 6 Millionen tote Juden. Irgendwas passt immer..." (ebd.). Er selbst findet übrigens, dass seine Ansichten und seine Ausdrucksweise nicht dem rechten Spektrum zuzuordnen seien: So sagte er einem Reporter auf Nachfrage: "Rechts? Das sind Wahrheiten, die nicht in Ihr Weltbild passen, weil Sie politisch konditioniert sind." 36 Muss man vielleicht Zauberpilze konsumieren, um diese Konditionierung zu durchbrechen?
Fazit
Steingräber, Schlesinger, Kolpak: Drei mal mehr, mal weniger offensichtlich extrem rechten Menschen betreiben also einen Versandhandel für Psychedelika, ein psychedelisches Retreat und "stehen hinter" Mycelf. Es handelt sich hier nicht nur um ein paar Spinner mit seltsamen Ideen: Egal welche Gründe jeder von ihnen für seine Ansichten haben mag, die Ansichten selbst sind rassistisch, chauvinistisch und einfach nur bösartig. Dafür gibt es keine Entschuldigung, auch nicht den offensichtlichen Narzissmus Schlesingers und Kolpaks: Die Mythomanie, die diese beiden ihren Mitmenschen so großzügig unterstellen, ist pure Projektion, die das eigene Weltbildes rechtfertigen soll. Die Verbindung zwischen esoterischen Vorstellungen, Verschwörungstheorien, marktradikaler Ideologie und dem Konsum von Psychedelika ist dabei wenig überraschend: All diese Ideen existieren in einem Kontinuum, lassen sich gut miteinander in Verbindung bringen und zur gegenseitigen Rechtfertigung nutzbar machen. [siehe z.B. diesen Vortrag (Youtube)]
Es ist unklar, wie es zu der Verbindung von Provithor und Mycelf kam. Von Seiten der Betreiber beider Unternehmen gibt es bis jetzt keine Aussagen, nur Worthülsen und Lügen. Die radikal rechten, spirituell-religiösen und neoliberalen Ideen aller Beteiligten sind ohne weiteres miteinander kompatibel, wenn sie auch in Details voneinander abweichen. Auch zu den weltanschaulichen Vorstellungen der Iboga-Shops betreibenden Reichsbürger gibt es starke Ähnlichkeiten. Die Personen hinter Mycelf, Provithor und den Iboga-Shops sind jedoch keine Einzelfälle - sie haben sich nur stärker exponiert als andere Mitglieder der psychedelischen Szene, von denen viele über ein ähnliches Weltbild verfügen. Denn in der Szene gibt es leider viel zu viele Personen, die ihre vollkommen unreflektierten, rechtsoffenen und verschwörungstheoretischen Ideen ungefragt und ungehindert verbreiten. Als Antwort auf Kritik an diesen Missstände hat die Szene nur billigste rhetorische Tricks und logische Fehlschlüsse: Zu groß ist die Harmoniesucht, zu fortgeschritten die selbstverschuldete und mit Nachdruck betriebene Eigenverblödung mit Hilfe von "Spiritualität" und Psychedelika.
n der sogenannten "Psychedelischen Renaissance" springen jetzt viele Menschen aus bloßer Gewinnsucht auf den psychedelischen Zug auf. Sie inszenieren sich ungeniert in der medialen Öffentlichkeit [schiblis presse & renner]. Dass Ideen von der - vielleicht auch nur vermeintlichen - Heilkraft psychedelischer Substanzen mittlerweile auch im medialen Mainstream behandelt werden [arte: heilende drogen] führt dazu, dass dubiose Menschen mit extrem fragwürdigen weltanschaulichen Vorstellungen und Praktiken an die Oberfläche gespült werden. Doch auch im psychedelischen "Underground", in dem sich beispielsweise David Schlesinger vor seiner Tätigkeit für Provithor jahrzehntelang bewegte, gibt es Personen mit teils bösartigen Ansichten die teilweise auch nicht vor der Anwendung psychischer und physischer Gewalt zurückschrecken: Beispielsweise Miguel Delgado, ein kontroverser Anbieter von illegalen Ayahuasca-Retreats, der mit Lilli Steingräber von Provithor in freundschaftlicher und vermutlich auch geschäftlicher Verbindung steht. Zu Delgado und weiteren suspekten Akteuren aus seinem Umfeld geht es im nächsten Artikel dieser Reihe.
Fußnoten:
[1] Provithor - Kontakt (wayback machine) [2] Provithor - Über uns (wayback machine) [3] tnms.info/about-us (wayback machine) [4] Willkommen bei ProviThor! (Youtube) [5] Instagram [6] Kommentar unter dem Artikel: Frage/Antwort – Wirkung von Drogen (wayback machine) [7] Enebird - Über uns [8] goodreads.com [9] David Schlesinger auf LinkedIn [10] Das erste Pilztaxi für München (MZEE-Forum) [11] pilzkoepp.de [12] pilzkoepp.de [13] drugs-forum.com [14] Pilzpastor steht nach elf Jahren vor Gericht (Berner Zeitung) (wayback machine) [15] Berner "Pilz-Pastor" erhält 18 Monate bedingt (20min.ch) [16] Gegendarstellung zum Artikel in Schweiz am Wochenende 1. Juli 2017 (passthor.info) (wayback machine) [17] Zauberpilze retten Leben (passthor.info) (wayback machine) [18] Buch von David Schlesinger: Drogenpolitischer Hexenwahn (dz-g.ru) [19] Lilli Steingräber - LinkedIn [20] David Schlesinger - LinkedIn [21] Drogenlegalisierung (tupg.org) [22] Gegendarstellung zum Artikel in Schweiz am Wochenende 1. Juli 2017 (passthor.info) (wayback machine) [23] Lilli Steingräber - The Sacred Mushroom Church of Switzerland (LinkedIn) [24] Alles nur geplant: Die EU, ein Comic und das Virus-Märchen (dz-g.ru) [25] voxpopulisphere.com [26] naturalnews.com [27] Mythomanie unserer Zeit (tupg.org) [28] die-zeit-des-anderen.de [29] Die Zeit des Anderen (PDF) [30] hanskolpak.com [31] sofortcoach.de/#uebermich [32] dz-g.ru [33] mikrodosierung.com [34] pressemitteilung-profi.de [35] Hans Kolpak (psiram.com) [36] Kolpaks Visionen: Besuch bei einem Mann, der bereit ist (Der Standard)